Wollen wir nicht alle ein langes und glückliches Leben haben und am Ende unserer Zeit stolz darauf zurückblicken können? Was können wir tun, um ein solches Leben zu führen? Viele Gesundheitsratgeber würden wahrscheinlich sagen, dass wir uns gesund ernähren, Sport treiben und an die frische Luft gehen sollen. Und damit haben sie durchaus recht.
Aber können wir nicht noch mehr tun? Können wir vielleicht auch mit unserer Einstellung zum Leben und zum Altern, also unserem Optimismus und der Lebenszufriedenheit, einen kleinen Beitrag leisten und nebenbei unsere geistigen Fähigkeiten verbessern? Einige Studien haben dies untersucht und kamen zu verblüffenden Ergebnissen.
So fanden Levy et al. (2002) unter anderem heraus, dass eine positive Lebenseinstellung mit einer höheren Lebenserwartung zusammenhängt. Und das dieser Effekt sogar teils größer ist als zum Beispiel der des (Nicht-)Rauchens oder sportlicher Betätigung.
Allerdings nimmt mit zunehmendem (chronologischen) Alter die Lebenszufriedenheit ab; wir fühlen uns immer älter und gebrechlicher und werden zunehmend unzufriedener mit der Gesamtsituation, was wiederum mit einem höherem Sterblichkeitsrisiko einhergeht (Kotter-Grühn, et al., 2009). Warum ist das so? Möglicherweise fühlen sich Menschen mit einer positiveren Einstellung zufriedener, jünger, sind im Alltag aktiver, stressresistenter und seltener von Krankheiten betroffen (möglicherweise wegen eines gesünderen Lebensstils).
Jedoch scheinen auch soziale Kontakte eine Rolle zu spielen. Menschen, die neben einer positiven Einstellung auch mehr soziale Netzwerke hatten, lebten länger (Xu & Roberts, 2010). Diese sozialen Netzwerke dienen möglicherweise als Puffer in schwierigen Situationen und reduzieren das Sterblichkeitsrisiko, ebenso wie Optimismus es tut.
Einsamkeit hingegen wirkt sich eher negativ auf die Lebenserwartung aus. Das heißt, sie ist negativ mit der Sterblichkeit und der körperlichen Aktivität assoziiert; allerdings ist es möglich die negativen Effekte der Einsamkeit mit einer positiven Lebenszufriedenheit ausbalancieren (Newall, et al., 2013).
Nun stellt sich natürlich die Frage, um wie viele Monate oder Jahre sich die Lebenserwartung aufgrund der positiven Lebenseinstellung verlängert. Levy et al. (2002) beobachteten eine verlängerte Lebenserwartung von etwa 7,5 Jahren!! Haben Sie damit gerechnet? Mich hat dieses Ergebnis nachhaltig beeindruckt.
Eine positivere Einstellung hat natürlich auch auf unsere kognitiven Fähigkeiten Einfluss. Wir sind ausgeglichener, fühlen uns wohler und sind weniger stressanfällig, was unserem Immunsystem zugute kommt. Unsere Sinnesorgane funktionieren besser, daher haben wir eine gesteigerte Wahrnehmung. Daneben sind wir aktiver, kreativer und haben eine bessere Merkfähigkeit. Folglich sind wir leistungsfähiger, weniger auf Probleme fokussiert, stattdessen eher lösungsorientiert, und letztendlich erfolgreicher (Dams, 2019).
Wie können wir ein bisschen mehr Lebensfreude in unseren Alltag integrieren, um davon zu profitieren?
- Machen sie etwas, das Ihnen Freude bereitet!
- Schreiben Sie jeden Abend ihre drei schönsten Ereignisse auf. Was hat sie an diesem Tag besonders berührt, wofür sind sie dankbar?
- Und auch wenn der Tag vielleicht mal nicht so verlaufen ist wie geplant, versuchen sie etwas positives daraus zu ziehen!
- Und zu guter Letzt, gehen sie raus und lächeln Sie einfach mal ihre Mitmenschen an, sie werden sehen, welch positive Gefühle sich in Ihnen ausbreiten werden, wenn sie ein Lächeln zurück bekommen! 😊
Literaturverweise
Kotter-Grühn, D., Kleinspehn-Ammerlahn, A., Gerstorf, D. & Smith, J., 2009. Self-Perceptions of Aging Predict Mortality and Change With Approaching Death: 16-Year Longitudinal Results From the Berlin Aging Study. Psychology and Aging, 24(3), pp. 654-667.
Levy, B. R., Slade, M. D., Kunkel, S. R. & Kasl, S. V., 2002. Longevity increased by positive self-perceptions of aging. Journal of Personality and Social Psychology, 83(2), pp. 261-270.
Newall, N. E. G., Chipperfield, J. G., Bailis, D. S. & Stewart, T. L., 2013. Consequences of loneliness on physical activity and mortality in older adults and the power of positive emotions. Health Psychology, 32(8), pp. 921-924.
Xu, J. & Roberts, R. E., 2010. The power of positive emotions: It’s a matter of life or death—Subjective well-being and longevity over 28 years in a general population. Health Psychology, 29(1), pp. 9-19.

